Trotz des verstärkten Einsatzes von Arzneimitteln und Impfungen werden vielfach die gesundheitlichen Probleme in den Schweinebeständen und speziell im Mastbereich nicht weniger. Hierfür gibt es vielerlei Ursachen.
Zu den Ursachen für vermehrte Probleme zählen die gebietsweise steigende Schweinedichte, die Größe der Bestände, der Tierverkehr, unterschiedliche Herkünfte und ganz besonders Managementfehler. Besonders deutlich wirken sich Fehler im Management bei größeren Betrieben.
Als Hauptfaktoren, wie Krankheiten in einen Bestand kommen, ist sicherlich der unkontrollierte Zukauf von Tieren, zu sehen. Weiter Faktoren sind der Abbildung rechts zu entnehmen.
Tierbeobachtung
Die Tierbeobachtung ist das Um- und Auf um rechtzeitig erkrankte Tiere zu erkennen. Am leichtesten erfolgt die Kontrolle während des Fütterns. Die Automatenfütterung in der Mast stellt dabei höhere Ansprüche. In diesem Fall ist es nämlich unumgänglich zur Kontrolle der Tiere die Buchten zu begehen.
Kranke Tiere erkennen
Kranke Tiere können am leichtesten daran erkannt werden, dass sie nicht zum Fressen kommen, dass sie nicht Neugierig sind, dass sie teilnahmslos sind, oder dass sie besondere Körperstellungen einnehmen (z.B. hundesitzig, auf den Bauch legen,…).
Als nächster Schritt, ist das Tier genau zu kontrollieren. Wie ist die Farbe der Ohren? Fühlt sich das Tier kalt oder heiß an? Gibt es deutliche Umfangsvermehrungen (z.B. Gelenksentzündung, aufgeblähter Bauch,…)? Hat es Durchfall oder Atemnot? Um weitere Informationen über den Gesundheitszustand des Schweins zu erhalten, ist es oft sehr hilfreich die Innere Körpertemperatur zu messen (vgl. Tabelle 1).
Tabelle 1: Normale Innere Körpertemperatur beim Schwein
(wobei die Toleranz bei +/- 0,3°C liegt)
Sau 38,8 °C
Masttier 38,8 °C
Eber 38,3 °C
Ferkel bis 4 Wochen 39,5 °C
Ferkel bis 8 Wochen 39,4 °C
Läufer bis 12 Wochen 39,3 °C
Läufer bis 16 Wochen 39,0 °C
Erst danach kann entschieden werden, ob es sich um ein immer wieder Auftretendes Problem am Betrieb handelt, oder ob es zu einer genauen Abklärung mit dem Hoftierarzt kommen muss. Im Zweifelsfall ist immer unverzüglich der Betreuungstierarzt zu informieren.
Behandlung von erkrankten Tieren
Die Erstbehandlung ist vom Tierarzt durchzuführen, im Anschluss daran darf jede weitere Behandlung, sofern der Betrieb dem Tiergesundheitsdienst angehört, vom Landwirt durchgeführt werden. Wichtig ist es hierbei darauf zu achten, dass es zu einer ausreichenden Kennzeichnung des behandelten Tieres kommt. Denn immer wieder kommt es vor, dass bei Routineproben am Schlachthof Antibiotika in Schlachtkörpern gefunden werden. Ebenso müssen detaillierte Aufzeichnungen geführt werden über die behandelten Tiere, den Behandlungsgrund, das Datum, die Chargennummer des verwendeten Arzneimittels, die Dosis, die Wartezeit. Dies alles muss mit der Unterschrift desjenigen, der die Schweine behandelt hat, bestätigt werden.
Mastschweine, die kein Futter mehr aufnehmen, sind immer mittels Injektion zu behandeln. Besonders entscheiden hierbei ist auf die Hygiene zu achten. Einwegnadeln sollten Standard sein, ebenso ist es wichtig maximal 2 - 3 Masttiere mit einer Nadel zu behandeln, denn ansonsten kann es zur Verschleppung von Kranheitserregern kommen. Spritzen müssen nach jeder Anwendung sorgfältig gereinigt werden.
Fehler beim Behandeln von Schweinen
Der bedeutest Fehler beim Behandeln von Tieren ist sicherlich, dass das Masttier eine andere Erkrankung hat, als gegen die behandelt wurde. Weiters ist es natürlich möglich, dass die Krankheit bereits zu weit fortgeschritten oder die Dosierung zu niedrig war, so dass die Behandlung nicht greifen konnte. Eine Fehlerquelle kann natürlich auch direkt beim eingesetzten Arzneimittel liegen (zu alt, falsch gelagert, die eingesetzten Arzneimittel behindern sich gegenseitig in ihrer Wirkung). Natürlich spielen auch die Krankheitserreger gegen die sich die Behandlung richtet eine entscheidende Rolle, denn hier können Resistenzen gegen das eingesetzte Antibiotikum vorliegen.
Erkrankungen Verhindern
Entscheidend für eine erfolgreiche Schweinehaltung mit möglichst wenigen Erkrankungen ist es die Haltungs- und Umweltbedingungen zu optimieren. Die Betriebshygiene muss groß geschrieben werden. Ein kammernweises Rein-Raus und eine dementsprechende Reinigung und Desinfektion bevor neuerlich Tiere eingestallt werden, sollte zum Standardprogramm gehören. Durch solche Maßnahmen kann der Infektionsdruck bereits deutlich gesenkt werden. Wichtig ist es auch auf die Belegdichte zu achten. In überbelegten Abteilen erhöhen sich der Infektionsdruck und der Stress für die Schweine, und damit die Anfälligkeit für Krankheiten.
Müssen Tiere behandelt werden, so ist immer mit großer Sorgfalt vorzugehen. Schwer kranke Tiere sind in Krankenbuchten zu verbringen, dies ermöglicht eine bessere Kontrolle und Behandlung. In Zweifelsfällen oder bei nicht Wirken der Behandlung ist immer sofort der Hoftierarzt bezuziehen, dies verhindert oftmals noch größeren Schaden.
von Dr. Bettina Exel
(bettina.exel@lk-stmk.at)
|
|

mit Klick vergrößern
|