SCHWEINEBESAMUNGSANSTALT GLEISDORF
der Landeskammer fur Land- u. Forstwirtschaft Stmk
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Fruchtbarkeit ist mehr als nur die beste Genetik

Hohe Fruchtbarkeitsleistungen von 25 abgesetzten Ferkeln pro Sau und Jahr sind keine Seltenheit mehr. Von unserer heutigen Sauengenetik erwarten wir Höchstleistungen. Ähnlich wie für einen Sportler gilt in diesem Fall: Beste Leistungen lassen sich nur durch eine optimale Körperkondition und ein optimales Umfeld erreichen. Vor allem das Management des Landwirts ist gefragt, um hervorragende Leistungen zu erzielen.

Fruchtbarkeit
Die Fruchtbarkeit wird von vielen Faktoren beeinflusst und unterliegt einem komplexen Wechselspiel zwischen inneren und äußeren Reizen. Bei den äußeren Reizen nehmen vor allem Licht, Temperatur, Geruch, Stallklima, Futter und Geräusche einen wichtigen Stellenwert ein. Zu den inneren Reizen zählen Hormone, Rückenspeckdicke, Stoffwechselprodukte, Erkrankungen und aufgenommene Mykotoxine.

Kondition
Eine gute Kondition ist entscheidend für eine gute Fruchtbarkeitsleistung. Sie wird durch die Genetik und sehr stark auch durch das Management am landwirtschaftlichen Betrieb beeinflusst.
Die Zuchtkondition von Jungsauen ist ein wichtiges Merkmal für die erste Belegung. Unter Zuchtkondition wird meist die reine Körpermasse zum Zeitpunkt der ersten Belegung verstanden. Da auf den Ferkelerzeugerbetrieben z.T. sehr unterschiedliche Sauentypen angetroffen werden können, ist das Körpergewicht zur Feststellung der Belegfähigkeit alleine nicht das richtige Kriterium. Vielmehr sollte auf die Rückenspeckdicke stärker Bezug genommen werden.

Wichtige Funktionen von Fett
Die Rückenspeckdicke ist bei Jungsauen nicht nur entscheidend für den Eintritt der Pubertät, sondern das Reservefett soll auch während der Laktation hohe Milchleistungen gewährleisten.. Daneben ist die Fettabdeckung noch für Vieles mehr sehr wichtig.
Das Unterhautfettgewebe dient auch als Wärme- und Druckisolation. Der Schutz des Körpers vor Verletzung durch ein dementsprechendes Fettgewebe ist nicht zu unterschätzen (Foto1 –Sau mit Nekrosen am Schulterblatt!), zudem werden innere Organe geschützt.
Das Fettgewebe ist weiters ein Speicherort für Vitamine (A, D, E, K) und Hormone (Östrogene). Fettsäuren, die beim Abbau von Fettzellen entstehen, sind wiederum wichtige Bausteine bei der Bildung von diesen. Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Rückenspeckdicke und der Ausprägung der Rausche und der Anzahl an ovulierten Eizellen. Für diesen Zusammenhang ist das Hormon Leptin zuständig.


Leptin
Leptin ist ein Hormon, das von den Fettgewebszellen gebildet wird. In zahlreichen neuen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Leptin eine zentrale Rolle bei der Fruchtbarkeit von Sauen spielt. Es beeinflusst über die Funktion der Bauchspeicheldrüse den Energiestoffwechsel, das Wachstum und sichert den normalen Ablauf der Fortpflanzungsvorgänge. Leptin übermittelt an das Gehirn das Signal, dass genug Fett und somit Energiereserven für eine erfolgreiche Trächtigkeit vorhanden sind. Es ist erwiesen, dass der Leptingehalt im Blut sehr gut mit der Rückenspeckdicke korreliert. Neue Studien belegen, dass Leptin synergistisch auf die Eizellreifung und Embryonenentwicklung wirkt und somit für hohe Ferkelzahlen entscheidend ist.

Rückenspeckdicke
Aus diesen neuen Erkenntnissen rund um das Hormon Leptin lässt sich erkennen, wie entscheidend eine ausreichende Rückenspeckdicke für die Fruchtbarkeit und auch die darauf folgende Laktation der Sauen ist.
In den letzten 30 Jahren hat im Durchschnitt die Rückenspeckdicke um 50 % abgenommen, wohingegen durch gezielte Selektion die Anzahl der abgesetzten Ferkel pro Sau und Jahr um 35 % gestiegen ist. Dies erfordert vom Landwirt genaue Kenntnis über die Fütterung und die Zusammenhänge, die für ein erfolgreiches Fruchtbarkeitsmanagement erforderlich sind.

Body-Condition-Scoring
Eine subjektive Einteilung der Sauen in Konditionsklassen kann mittels des Body-Condition-Scorings erfolgen. Hierfür werden die Sauen anhand von verschiedenen Kriterien in Klassen eingeteilt (vgl. Abb. 1). Im Durchschnitt würde man großrahmige Jungsauen auf Grund ihres mittleren höheren Gewichts betreffend der Rückenspeckdicke überschätzen. Sie haben schon das Soll-Gewicht, jedoch die Fettabdeckung ist noch nicht ausreichend vorhanden.
Objektiv kann eine Beurteilung des Rückenspecks nur mittels Ultraschallmessung erfolgen. Die Speckdicke wird heute von den österreichischen Zuchtverbänden bei der Selektion erfasst und standardmäßig korrigiert.

Jungsauen Konditionierung
Jungsauen sollten von der Geburt bis zum 180. Lebenstag ein Gewicht von ca. 100 – 110 kg (550 - 620 g tägliche Zunahmen) aufweisen. Dabei sollte das Specknaturmaß bei 11 – 13 mm liegen. Höhere Lebendmasse zu diesem Zeitpunkt bringen keinen Vorteil für die Fruchtbarkeitsleistung und für die Nutzungsdauer der Sau. Im Gegenteil sie können sich bei zu schneller Aufzucht negativ auf die Fundamente und Lebensleistung auswirken.
Um den 180. Tag sollten Jungsauen auch zugekauft werden. So ist gewährleistet, dass sie eine ausreichend lange Akklimatisierungszeit am neuen Betrieb haben. In dieser Zeit bis zum ersten Belegen sollte auch die Konditionierung der Jungsauen stattfinden. Es soll gewährleistet sein, dass sie bei der Zuchtnutzung eine ausreichende Rückenspeckdicke aufweisen. Tägliche Zunahmen von 700 – 800 g in der Konditionierungsphase sollten angestrebt werden mit dem Ziel, dass die Jungsauen beim Belegzeitpunkt ein Lebendgewicht von 130 – 140 kg bei 15 – 18 mm Speck erreichen.
Lebensleistung von Sauen
Entscheidend für die Lebensleistung der Sauen ist der erste Wurf und somit auch die erste Belegung. Aus der Grafik 1 ist klar ersichtlich, wie die Anzahl der lebend geborenen Ferkel im ersten Wurf mit der Lebensleistung zusammenhängt. Im Durchschnitt hat eine Sau mit 8 lebend geborenen Ferkeln im ersten Wurf, 10,52 Ferkel in den folgenden Würfen. Im Vergleich dazu hat eine Sau mit 13 lebend geborenen Ferkeln im ersten Wurf durchschnittlich 11,85 lebend geborene Ferkel bis zum 6. Wurf. Dies ist ein Unterschied von 1,33 Ferkel pro Wurf.

Optimale erste Wurfleistung
Eine optimale Wurfgröße beim 1. Wurf hat einen deutlichen Effekt auf die durchschnittliche Lebensleistung der Sau, daher ist besonders Augenmerk auf die Jungsauen zu richten. Bekannt ist, dass geschätzt 60 – 70 % der Betriebe keine oder nur eine halbherzige Eingliederung ihrer Jungsauen vornehmen. Dies trifft nicht nur auf Ferkelerzeuger zu, die ihre Jungsauen zukaufen, auch eigenremontierende Betriebe sind hier gefordert. Ab dem 180. – 190. Lebenstag kann es durchaus bereits schon zu einem kontrollierten Eberkontakt im vorgesehen Rhythmus alle 3 bzw. 4 Wochen kommen. Studien belegen, dass eine korrekt durchgeführte Eingliederung in Kombination mit einer Zuchtkonditionierung und dosiertem Eberkontakt deutlich positive Auswirkungen auf das ganze Sauenleben haben.
Ca. 50 % der Ferkelerzeuger belegen ihre Sauen noch immer zu jung. Gute Aufzeichnungen über das Alter der Tiere und drei Wochen Geduld machen hier einen großen Unterschied. Abferkelverhalten, Nutzungsdauer und Lebensleistung profitieren davon entscheidend.



von Dr. Bettina Exel (bettina.exel@lk-stmk.at)


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